3. ADMV Rallye Zwickauer Land – Schwedenboot und keine Heizung

Bild: Christian Spiegler/Zwickau

Ein ganzes Jahr mussten wir warten, bis es wieder in die Region rund um Zwickau ging. Während einen Tag vor Abfahrt noch nicht klar war, ob ich (Christian) denn nun auch wirklich frei bekomme, liefen die Vorbereitungen bei VMax bereits auf Hochtouren. Los ging es am Freitag, Silvio kam gerade vom Leistungsprüfstand und holte mich irgendwo in der Pampa vom Bahnhof ab.

Ergebnis der Leistungsmessung: Die gelbe Badewanne bringt etwas mehr als 100KW an die Schwungscheibe, wer hätte das gedacht. Im Schnitt kommt der Motor auf 190NM Drehmoment, was sich auch mit den Volvo-Werksangaben deckt. Erstaunlich ist aber das maximale Drehmoment im zweiten Gang: satte 260NM, damit sollte man doch gut aus der „Runden“ kommen?

 

Bild: Christian Weidner

Also auf nach Zwickau. Der Anhänger von VMax hing am von Freddy besorgten Zugfahrzeug, in Volvo-Kreisen wird das jetzt „Fremdfabrikat“ genannt. Die Fahrt über die Autobahn verlief friedlich, wenn gleich der Hänger mal wieder etwas Luft gelassen hatte. Gegen 17.00Uhr standen wir mit frisch polierten Volvo auf dem Gelände von E&R Motorsport in Crimmitschau. Sven war schon wach und das erste „Rosi“ wurde gekippt.

 

Bild: Christian Weidner


Wer will wissen, wie das Wetter war? Es regnete… die ganze Zeit.. Der Abend schritt fort und die „üblichen“ Verdächtigen trafen nach und nach ein. Ronny, der Ehrlich und unsere weiteren Freunde von E&R. Fürs Abendmahl war geräuchertes Schwein und Sauerkraut eingeplant, dazu wurde Brot, „Rosi’s“ und Kartoffelsalat gereicht. Zu unserer grossen Überraschung hat Sven übers Jahr zwei Gästezimmer ausgebaut, die Übernachtung im „Fremdfabrikat“ wurde gestrichen, auch wenn sich der Kollege „Webasto“ schon warm gelaufen hatte.

Bei der abendlichen Dokumentenabnahme gab es einigen Wirbel, wurde doch die Nennbestätigung in Berlin vergessen. Nach einigem Hin und Her wurde eine neue ausgestellt und die technische Untersuchung konnte folgen. Bis auf ein kleines Problem mit den Gurten gab es keinen Grund zur Beanstandung, die gelbe „Sicherheitsfahrgastzelle“ wurde wohlwollend abgenickt. Auf nachfolgender E&R Rallyparty ging es „wie immer“ bis in die frühen Morgenstunden, wir hingegen waren gegen Eins im Bett verschwunden, immer in der Hoffnung „Morgen ist nichts mit Regen“ und die Strecken trocknen noch ein bischen ab. Nicht, dass wir nicht vorbereitet wären, es gab 2 Reifensorten zur Auswahl, doch nasse Strecken und aufgeweichter Schotter machen bekanntermaßen nicht ganz so viel Spaß.

Der nächste Morgen, nur noch leichter Regen, man konnte also hoffen. Im Rallyezentrum angekommen wurden die Boardbücher in Empfang genommen. Beim Streckenstudium gab es einige interessante Passagen und schnell wurde klar, hier passt ein 244er nur unfreiwillig durch. Die Schotterpassagen waren bis ins Erdreich durchgeweicht, das Wasser floss über Abhänge quer über die Strasse, „rosige Aussichten“. 🙂 Zum Glück haben wir bei ATU in Dresden noch einen „Trabbilüfter“ für die Frontscheibe besorgt, da der Volvointerne zur Reckenbergrallye das zeitliche gesegnet hatte.

Bild: Christian Weidner

Die Wahl der Reifen fiel nicht schwer, hier gehen nur Vredestein Quatrak, auch wenn Silvio gerne den Hankooks Auslauf gewährt hätte. Diese befanden sich auf frisch lackierten Alus, doch bringt das alles nichts, wenn die Strassenverhältnisse was „grobstolliges“ verlangen.

Bild: J.Wöllert/redfrogracing

WP1 führte uns durch die aus dem letzten Jahr bekannte Kiesgrube welche diesjährig mit Steilkuven und 2 Sprungkuppen erweitert wurde. Den Zuschauern, welche es auf die Sandberge geschafft hatten, boten sich beeindruckende Bilder, es gab „Standing Ovations“ als sich der grosse Gelbe um die Kurven schob und die Ideallinie neu ausgelegt wurde. Zeiten spielten bei dieser Veranstaltung eher eine Nebenrolle, da es keinen „realistischen“ Gegner gab. Somit wurde die Badewanne ordentlich um die Ecken gewuchtet, dem Zuschauer gefiels und der Co. hatte auch was zu schmunzeln.

Bild: J.Wöllert/redfrogracing

Bild: J.Wöllert/redfrogracing

Irgendwo auf der WP gab es eine enge Links2 spitz, welche man mit einem Volvo idealerweise im Rückwärtsgang nimmt. Der erste Versuch klappte mit entgegen des Kurvenausgangs angestellter Schnauze jedoch nicht optimal. Macht ja nichts, WP5 soll es richten. Getreu dem Motto „Vorwärts immer, Rückwärts.. geht auch irgendwie“ haben wir uns da durch gemogelt.

Bild: Frank Fläming

Habe ich erwähnt, dass die letztjährige Schikane mit 7.50m Torlänge in diesem Jahr auf eben diese Gesamtlänge zusammengeschoben wurde? Durch aktive Volvoverkürzung kamen wir dennoch zügig durch.

Bild: J.Wöllert/redfrogracing

WP2 ging gut, also gleich weiter zum Rundkurs ums Metawerk auf WP3. Für mich ist dieser Rundkurs klarer Favorit der Veranstaltung, wenn gleich mit 2 Runden ein kurzes Vergnügen. Mangels Grip an den Hinterrädern konnte Silvio hier immer 2-3 Kurven kombinieren und das schwedische Vehikel ordentlich quer über den Parcours heben. In Rechtskurven konnte ich immer unseren Hintermann durch die Seitenscheiben sehen, die Zuschauer waren sichtlich begeistert, auch wenn sie vielleicht insgeheim hofften, wir bringen noch ein paar mehr aus „unserer“ Herde mit.

Bild: J.Wöllert/redfrogracing

Bild: J.Wöllert/redfrogracing

WP4 ging es dann richtig schnell voran, gleich am Anfang konnte man wieder 2 20m auseinanderliegende Linkskurven zu einer zusammenfassen, Heckantrieb sei dank. Die schnellen Links-Rechts-Kombinationen dieser Wertungsprüfung wurden am Limit durchfahren, die enge Volvohinderniss-Allee am Ende sorgte für zusätzliche Adrenalinschübe.

Bild: J.Wöllert/redfrogracing

Der erste Turn war geschafft, wir bewegten uns im vorderen Drittel. Bei 110 Startern auf verregnetem Terrain ein positives Ergebnis, am Ende waren noch etwas mehr als 80 dabei. Volvo und Regen, das war für Silvio neu, dazu sein Kommentar: „Da sitzt du endlich wieder im Auto und Silvio fängt bei 0 an.“ Hilft ja nun alles nichts, denn Erfahrung ist mit nichts zu ersetzen, nur mit noch mehr Erfahrung.

Dies im Hinterkopf machten wir uns an den zweiten Turn und es ich sagte nur „noch 2x fahren bis Metawerk“.WP5 ist WP1 und da war sie wieder, diese enge Links2 spitz. Nächster Versuch, ähnliches Resultat, diesmal stimme zumindest die Richtung, es fehlte nur der Vortrieb. WP6 legten wir im Vergleich zum ersten Turn nochmal zu und schon befanden wir uns wieder auf meinem geliebten Rundkurs „Metawerk“. Mehr quer geht immer, das wusste auch Silvio und getreu dem Motto „If you wanna slide more, use more power!“ nahmen wir die Sache in Angriff. Den richtigen Winkel zu finden ist nicht immer einfach, doch die Zuschauer waren mit unseren Einlagen sehr zufrieden. Als Silvio an der Sprungkuppe auch noch den „Arsch“ raushängen liess, hatten wir „alle auf unserer Seite“.

Bild: Schroth & Seger

Ende Runde 2 stellte sich die Frage ob man nicht noch eine Dritte fahren sollte, doch wurde dieser Gedanke schnell wieder verworfen als wir im Eifer des Gefechts nicht Rechts 4 sondern Boardstein voll fuhren. Silvio gepennt, ich nicht weitergelesen, Ergebniss: 4 krumme Felgen und ein verbogener Dreieckslenker. Mit 80 den Boardstein hoch hinterlässt eben seine Spuren, mit einem kleineren Auto sollte man das allerdings nicht nachmachen. Der anschliessende Reifenwechsel war in Teamarbeit unter 2 Minuten erledigt, also auf zu den letzten beiden WP’s.

Bild: J.Wöllert/redfrogracing

Mit versetzter Lenkung ging es über WP8 in die letzte Schlacht, ein Rundkurs über 4 Runden. Bei einsetzender Dämmerung gab Silvio den Reifen ihren letzten Schliff, die Reifenmarkierungen in zartem Rosa waren spätestens am Ende der ersten Runde verschwunden. Im Blitzlichtgewitter jagte eine Kurve die Nächste und traurig mussten wir mit ansehen, wie das einzig gestartete Damenteam von RedFrogRacing ihren Astra 5 Kilometer vor dem Ziel ihrer ersten Rallye am Boardstein abparkten. Mit gebrochener Felge und fehlender Aufhängung kommt man eben nicht mehr weit. (Wie sich herausstellte, passierte den Beiden wohl Ähnliches wie uns auf dem Rundkurs „Metawerk“ WP5)

Bild: J.Wöllert/redfrogracing

Am Ziel dieser WP hatte Silvio sein Werk vollendet, 4 erstklassige Radiergummis schmückten das Fahrgestell der gelben Badewanne, über die 4 krummen Felgen verlieren wir besser kein weiteres Wort.

Die Jungs von E&R Motorsport waren nicht minder erfolgreich, auch wenn sich der „Ehrlich“ mal wieder gepflegt auf einer der Neun WP’s ablegte. Wie sagt der Sachse immer so schön: „Da hat der Junge mal wieder alles richtig gemacht!“

Ende gut, alles gut. Nach Zieldurchfahrt und Eintreffen im Park Fermé gab es erstmal ein kühles Blondes und kurz vor Mitternacht fand man sich gemeinsam im Partykeller der Werkstatt zusammen. Bis spät in die Nacht wurden wieder herrliche Renngeschichten ausgepackt und irgendwann so gegen 3.00Uhr ging bei mir das letzte Licht aus.

Die Heimreise nach Berlin war sehr anspannend, Silvio fuhr und ich hab geschlafen. 🙂

Wir danken den Jungs von E&R Motorsport Crimmitschau für ihre Gastfreundschaft (Im Sächsischen wird „Motorsport“ übrigens mit 3 U geschrieben), VMax für die hervorragende Fahrzeugvorbereitung, Freddy fürs „Fremdfabrikat“ und allen die uns die Daumen drücken. Desweiteren bedanken wir uns ganz herzlich bei J.Wöllert von www.redfrogracing.de sowie Frank Fläming und Christian Spiegler für die tollen Bilder. Erstklassiges Videomaterial wird von Schroth & Seger sowie den Jungs von E&R kommen, bitte habt ein wenig Geduld.

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