5. ADAC/PRS Gravellandrallye 2007 – Urlaub in Gravelland

5. Adac Gravelland Rallye 2007 Gravelland, das Land mit mehr Steinen als Einwohnern. Gravelland, das Lieblingsreiseziel jedes Quertreibers, hier wächst der Schotter sogar auf Bäumen und vermehrt sich schneller als Karnickel im Hochsommer. Du weist das du angekommen bist, wenn unter deinen Füßen spitze Steine wie Pilze aus dem Boden schiessen. Onboardaufnahmen befinden sich in unserer Videoabteilung, Bilder in der Gallery. Bei den Rallyefans Havelland gibt es einige schöne Impressionen, und Tommes hat sich nicht lumpen lassen mal wieder was geiles zusammen zu schneiden.

Gravelland liegt unweit der Lausitz, hinter ein paar Bäumen in der Nähe des Eurospeedways Lausitz. 34 Gesamtkilometer Wertungsprüfungen in alten Gruben eines Tagebaus. Anspruchsvoll, nicht nur für Federn und Fahrwerk. Material was hier überlebt hält im Strassenverkehr sicher ein Leben lang.

Ich glaub es war 4.00Uhr in der Früh, wo uns mehrere Liter Kaffee aus der viel zu kurzen Nacht rissen, geschraubt wurde natürlich wieder bis zum bitteren Ende. Mit zwei Fahrzeugen im Gepäck ging es auf die Reise. Silvio und meine Wenigkeit mit unserem Volvo 244, „Onkel Willi“ und Kai mit ihrem Opel Kadett GSI, auch genannt, der rollende Biertresen. Pümktlich um 7.00Uhr wurde dann Tilo und der Rest der Bande von www.rallyegarage.de auf dem Parkplatz geweckt, heissen Kaffee blieben wir ihnen allerdings schuldig. Der frühe Vogel fängt den Wurm, nech? 🙂 Neu am Volvo waren ein 100-Zeller-Kat sowie 6 x Fedima F4 Schotterreifen, auf welchen wir bis dato keine Erfahrung hatten. Zugegen, die Meinungen über die Pneu könnten polarisierter nicht sein. Die einen sagen mit 2 Ersatzreifen im Gepäck schafft man damit nichtmal eine 200er, nennen ihn „Fenstergummireifen“, andere haben an ihnen einen Narren gefressen. Nüchtern betrachtet muss man einfach zugeben, das Preis/Leistungsverhältnis dieser Runderneuerten ist unschlagbar, doch dazu später mehr.

Foto: Sven Mollitor / Christian Weidner

Nach der Dokumentenausgabe und technischen Abnahme ohne Beanstandung ging es ans Erkunden der Strecken. Bedingt durch den nächtlichen Regen sorgten die Streckenverhältnisse zu dieser Zeit für reichlich Unmut beim Chauffeur, ja er hatte sogar mit dem Gedanken gespielt wieder nach Hause zu fahren. Lehm und Sand gemischt mit Wasser ergeben eine interessante Mischung aus Schmierfilm, Schlammlöchern (ein solches Molloch gibt es in der Onboard-Aufnahme von WP3 zu bestaunen) und tiefen Spurrillen. In den grossen Wasslöchern bestand immer die Gefahr eine Gruppe Steine mit auf die Reise zu nehmen, wahrlich keine Freude für die immer gebeutelte Rallyekasse.

Foto: Sven Mollitor / Christian Weidner

Nach dem Training sahen die Fahrzeuge bereits aus als hätten sie die Rallye schon hinter sich, dabei ging es doch nur mit entspannten 50Km/h durchs Training. Tankwirte mit Waschanlage konnten diesbezüglich schon mal ein Fass aufmachen und den Grill herausholen, fand sich doch wirklich keine Tankstelle, wo nicht bereits 10 Teilnehmer vor dir auf die Idee kamen, den Hobel nochmal überzuwachsen.

Mit mulmigen Gefühl ging es dann in die erste Wertungsprüfung, und wir erlebten einen Aha-Effekt nach dem anderen. Das Auto ging einfach nur vorwärts, Traktion pur und sofort kam richtig Spaß auf. „Onkel Willi“ hatte uns bereits vorgewarnt, einen Fedima kann man nur mit durchgetretenem Pinsel fahren sonst tut das nicht schocken! Auf Asphalt driften ist mit den Schotterreifen zwar auch drin, doch dabei ist der Gummi schneller runter als man gucken kann. Zaghafte Fahrweise ist mit diesen Reifen auch nicht angesagt, zu sehr schiebt er dann über die Vorderachse. Jeder kann sich vorstellen wo das hinführt, Tunnelblick, Adrenalingeruch und eine Beule im Bodenblech.

Foto: Sven Mollitor / Christian Weidner

Ich bin zwar schon mehrere Schotterveranstaltungen mitgefahren, doch hier haben wir das erste mal richtig gerockt. Auch wenn uns die Knöbel-Brüder auf der ersten Wertungsprüfung gleich fast eine Minute eingeschenkt hatten, ging es richtig voran. Der Gelbe wurde vor der Kurve quergestellt und gelenkt wurde nur noch mit dem Gaspedal. Ich kann es nicht oft genug sagen „Wir hatten richtig Spaß“.

Foto: Sven Mollitor / Christian Weidner

Am Start zu WP2 wurden wir auf das herzlichste von unseren „alten Bekannten“ begrüsst, welcher schon unserer Buddel-Aktion bei der Lausitzrallye fröhnte. Freudestrahlend übergab er uns einen kleinen Spaten, denn als Maulwürfe scheinen wir jetzt bekannt zu sein. (Somit hatten wir derer zwei, da auch wir vorausschauend einen Klappspaten im Gepäck hatten) Auf dieser Wertungsprüfung kam unser linker Frontblinker zwei- dreimal ins Bild, danach ward er nichtmehr gesehen. Schade drum, doch wo gehobelt wird, fallen mitunter auch Späne. Also fix die heraushängenden Drähte mit Racetape versorgt und auf zur Runde 3. Das Phänomen „Ich glaub ich muss noch mal schnell“ sollte nicht ohne Folgen bleiben, wir standen am Start, es waren noch 10 Sekunden bis „Go!“, nur einer war noch nicht soweit… Angeschnallt wurde sich auf den ersten 300Metern, irgendwann gab es auch mal Boardfunk und der Rest der Wertungsprüfung musste dann ohne Handschuhe „funktionieren“. Zugegeben, die „Aufklärungsstunde“ eines Sportwartes direkt am Start über Kennzeichen, Polizei, Radarfallen und leicht Mädchen war daran nicht ganz unschuldig.

Foto: Sven Mollitor / Christian Weidner

Irgendwo auf WP3 bekam unser Auspuff dann plötzlich einen Hänger und der Endtopf brüllte von da an nur noch Würmer aus ihren Löchern anstatt seine frohe Kunde in die weite Welt hinaus zu blasen. Mit Tempo 30 ging es durch ein riesiges Schlammloch, mir standen schon die Schweissperlen auf der Stirn, als ich 2-3 Gedanken daran verschwendete, wieder aussteigen und schieben zu müssen. Ob das im Ernstfall wirklich Sinn gemacht hätte möchte ich bezweifeln. Zumindest wäre man sofort „braun“, würde man nur einen Schritt hinter das Auto gehen. Auf der Verbindungsetape kamen wir dem Auspuff mit einem Hammer bei, doch gehalten hat es nur bis zur WP4. Das „Problem“ behob ich dann ganz pragmatisch auf der Verbindungsetape indem ich ihn einfach abriss. Eigentlich hätte ich das schon viel früher machen sollen, der Sound ist um Längen besser, ausserdem gibt das bestimmt 0.5PS. Fahrer vom Fuffzigern wissen sicher was ich meine (Hallo Kike). Den Steinschaden am linken Vorderrad behoben wir kurzerhand mit einem weiteren seiner Kollegen, selbstverständlich 3 Nummern grösser.

Foto: Joerg Ullmann - www.rallyesportfotos.de

An dieser Stelle ist anzumerken, dass unsere Fedimas noch keine Anzeichen von Müdigkeit zeigten und ein Plattfuss nun wirklich nicht abzusehen war. (Vielleicht liegt es daran, dass wir auch Schlauchlose immer mit Schläuchen fahren)

Also auf zu WP5 und 6, jetzt waren wir richtig „heiss“ und gaben nochmal alles. Die Zeiten belegen eindeutig „da ging noch was“. Für ein Foto war zwischendurch auch noch Zeit, desweiteren auch für die übliche Geschichte „Ich glaub ich muss noch mal schnell“… Am Ende reicht es für den 41. Gesamtrang, bei 120 Startern ein respektables Ergebniss. Im VOC-Ranking belegten wir den 2. Platz, in der Klasse Platz 4.

Foto: Sven Mollitor / Christian Weidner

„Onkel Willi“ wird in seiner Klasse 1. und das mit einem kleinen Aquarium in den Vergasern seines 1600er Kadett. Kai und er haben teilweise mehr geflucht und geschoben als das sie fuhren und wenn, dann meist nur auf 3 „Töppen“. Hut ab vor dieser beeindruckenden Leistung trotz soviel „Pechs“ mal eben als Sieger diese Veranstaltung zu beenden.

Foto: Joerg Ullmann - www.rallyesportfotos.de

Der Gelbe ist gut gebräunt wieder daheim, die Reise nach „Gravelland“ hat ihm anscheinend gut getan.
Bis dahin, Christian.

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